Gedenkdemonstration in Dessau anlässlich des 13. Todestages von Oury Jalloh

„Oury Jalloh – Das war Mord!“ Demonstrant*innen ziehen lautstark durch die Dessauer Innenstadt. Foto: Daniel Schlüter

Dessau – Vor 13 Jahren verbrannte Oury Jalloh an Händen und Füßen gefesselt in einer Dessauer Polizeizelle. Die “Initiative in Gedenken an Oury Jalloh”, ein Zusammenschluss von Angehörigen und Freund*innen des Verstorbenen sowie antirassistischen Aktivist*innen gehen von einem rassistischen Mord durch Polizeibeamte sowie jahrelange Vertuschungsversuche durch Polizei und Staatsanwaltschaft aus. Deshalb organisieren sie jedes Jahr eine Gedenkdemonstration in Dessau. Während letztes Jahr ca. 1200 Leute demonstrierten, waren gestern zwischen 3.000 und 4.000 Menschen auf der Straße.

Von Daniel Schlüter

“Oury Jalloh – Das war Mord!” schallt es lautstark durch die Dessauer Innenstadt, nachdem die Demonstration den Bahnhof der sachsen-anhaltinischen Kleinstadt verlassen hat. Wie jedes Jahr seit dem Tod Oury Jallohs fordern auch dieses Jahr eine vielzahl migrantischer Organisationen und antirassistischer Aktivist*innen aus dem gesamten Bundesgebiet eine volle Aufklärung der Umstände des Todes von Oury Jalloh und stellen sich klar gegen gesellschaftlichen und institutionellen Rassismus. Dass dieses Jahr allerdings so viele Menschen gekommen sind, scheint selbst die Organisator*innen zu überraschen.  Immerhin sind es mindestens doppelt so viele wie noch 2017. Das könnte mit neuen Gutachten zu dem Fall zusammenhängen, die auch in den Wochen vor der Demo große mediale Aufmerksamkeit nach sich zogen. Fazit dieser Gutachten ist, dass Oury Jalloh sehr wahrscheinlich durch Fremdeinwirkung umgekommen ist, die Selbstenzündungsthese wird als unwahrscheinlich dargestellt. Doch von Anfang an. Was wissen wir bisher über die Ereignisse am 7. Januar 2005?

 

Demonstrant*innen sammeln sich vor dem Dessauer Hauptbahnhof. Foto: Daniel Schlüter

Sicher ist, dass Oury Jalloh festgenommen wurde, nachdem sich zwei Frauen von ihm belästigt fühlten und die Polizei riefen. Dabei soll er sich gewehrt haben, woraufhin die Beamten ihn fesselten. Auf der Dessauer Polizeiwache wurde er durchsucht und immer noch an Händen und Füßen gefesselt in die Gewahrsamszelle 5 gesperrt. In der Zelle brach später ein Feuer aus, lange reagierte niemand und als die Polizisten irgendwann doch die Zelle öffneten war es zu spät. Oury Jalloh war qualvoll wahrscheinlich an den Folgen des Feuers verstorben. Die Beamten sagten aus, er hätte mit einem Feuerzeug die Matratze angezündet und sich damit selbst getötet. Daraufhin wurden die Beamten, die an dem Abend Dienst hatten wegen unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen verurteilt. Damit hätte das Thema erledigt sein können, doch es gibt Zweifel an der Darstellung der Polizist*innen. So hatte Oury Jalloh bei der Durchsuchung überhaupt kein Feuerzeug dabei gehabt. Auch ist unklar, wie er, selbst wenn die Beamten dieses übersehen hätten, damit überhaupt die Matratze hätte entzünden können, schließlich war er gefesselt. Daraufhin wurden weitere Gutachten erstellt, aus denen hervorging dass das Feuer wahrscheinlich durch den Einsatz von Brandbeschleunigern ausbrach und dass Oury Jalloh schon vor dem Ausbruch des Feuers tot oder bewusstlos gewesen sein muss. Und so verdichten sich die Hinweise auf etwas, das den Angehörigen schon seit 13 Jahren klar war, nämlich dass Oury Jalloh ermordet wurde. Von deutschen Polizeibeamten.

Trotz der Indizien stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Mordes gegen die Polizisten ein. Bei den Freund*innen und Angehörigen Oury Jallohs haben diese Erfahrungen jedes Vertrauen in den Rechtsstaat zerstört. Sie fordern nun eine unabhängige, internationale Untersuchungskommission im Fall Oury Jalloh.

In den Redebeiträgen der gestrigen Gedenkdemonstration wurden auch Parallelen zum NSU-Komplex gezogen. Und damit ein  systematischer und mörderischer gesellschaftlicher sowie institutioneller Rassismus in Deutschland angeprangert.

Protest vor der Dessauer Polizeistation, in der Oury Jalloh am 7. Dezember 2005 verstarb. Foto: Daniel Schlüter

 

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